Freitag, 28. Februar 2020

Neon Apinat, Neon Aklahat


Eine Zeugenformel der rituellen Rede

Das parallele Lexempaar Neno Pinat, Neon Aklahat oder variiert Neon Apinat, Neon Aklahat nennt den Uis Banam, den obersten Regenten der Nope-Dynastie, bei seinem machtvollsten Titel, und ruft diesen als Zeugen für die Richtigkeit des Inhalts einer Tonis-Dichtung an. Uis Banam ist der Titel des Herrschers (usi) des feudalen Amanubans. Er war für Jahrhunderte, unterstellt man den Atoin Meto die europäische Adelsnomenklatur, der König von Banam. Das Substantiv usi, metathesiert uis, ist die Titulatur, mit der ranghöchste der politischen Funktionsträger der Aristokratie des feudalen Amanubans angeredet wurde. Seine Vasallen, die mit ihm alliierten Verbündeten, die untergebenen Fürsten der einzelnen Territorien, wurden wie ein Usif genannt.
Das Uab Meto kennt aber das Verb na=uis, das im Kontext der christlichen Liturgie in der Bedeutung von verehren, huldigen, Gott Ehre und Respekt bezeugen, verwendet wird. Während der Titel usi allein für den obersten Regenten des feudalen Gesellschaftssystems reserviert war, redete man die Repräsentanten der exekutiven Funktionen der feudalen Bürokratie mit usif an. Das Verb nauis drückt nun genau die Empfindungen aus, die die Bevölkerung des feudalen Amanuban einst ihren Herren und Herrschern (tuan / usi) bis heute entgegenbringen.

Samstag, 15. Februar 2020

Die Protagonisten der Kuan Fatu-Chronik


Ton und Finit, Babis und Sapai

Die Tonis-Dichtungen aus Kuan Fatu, heute ein indonesisches Dorf in Südamanuban, berichten über Themen der regionalen Geschichte der vorindonesischen Bevölkerung der Domäne Kuan Fatu, deren Grenzen weit über die des rezenten Dorfs hinausgehen, und die geprägt sind von der politischen Herrschaft von vier alliierten Namengruppen: Ton und Finit, Babis und Sapai, verwandtschaftlich verbundene Gruppen, die parallel zur indonesischen Adminstration auch heute noch inoffiziellen politischen Einfluss in dieser Domäne ausüben. Die Funktion der Texte der Kuan Fatu-Chronik besteht darin, von ihrer Herkunft, von den Taten ihrer Ahnen, historischen Ereignissen, ihren gegenseitigen Beziehungen sowie von der Legitimierung ihrer Herrschaft über das Territorium Kuan Fatu zu erzählen. Das Eigennamenbündel Ton und Finit, Babis und Sapai in diesen Erzählungen, repräsentiert diese vier Namengruppen, die auch mit dem mittelalterlichen europäischen Terminus Adel bezeichnet werden können. [1]

Ein Held der Kuan Fatu-Chronik, über den die Erzählung Der Abi Loemnanu-Krieg berichtet, ist der magisch mächtige Krieger-Kopfjäger Ni Nope Sanak, der apical ancestor der heute in Südamanuban lebenden Namengruppe Sapay. Der Mitproduzent der Kuan Fatu-Chronik, der Dichter-Sprecher J.Ch. Sapay, ist ein direkter Nachfahre des vor 13 Generationen lebenden Nope Sanak. Im Abi-Krieg schildert Sapay, wie die Domäne Kuan Fatu, mit dem Meo Nae Sole Le`u an der Spitze der politischen Hierarchie, als Resultat dieses Krieges im späten 17. Jahrhundert entstand. Er erzählt auch vom Schicksal der in die kriegerischen Ereignisse verwickelten und durch diese entwurzelten Namengruppen Ton, Finit, Babis und Sapai: